Sirion
Großer Nurflügelsegler für Allroundeinsatz und Elektroflug

"Sirion" ist ein für Allroundeinsatz ausgelegter Nurflügel, der die wachsende Nachfrage nach größeren Modellen dieser Kategorie berücksichtigt. Eingesetzt werden die bereits beim "Minus" bewährten Horten-Profile und Profiltiefen. Für die Verwendung bei drei Metern Spannweite wurde die Geometrie der einzelnen Trapeze und die Schränkungsverteilung angepasst. Weiterhin wird für eine gute Richtungsstabilität die Verwendung von Winglets vorgezogen, die auch die Erkennung der Fluglage vereinfachen. Das Modell zeigt gute Leistungen im Strecken- und Thermikflug. Problemlos und gutmütig in den Steuereigenschaften, läßt es auch Kunstflug und enge Wendemanöver in Bodennähe zu. Ohne das sonst bei Nurflügeln oft zu beobachtende Durchsacken bei Rückenwind kann der "Sirion" auch aus weiter Entfernung zielsicher und mit hervorragendem Gleitwinkel zurück dirigiert werden. Die großen Quer- Höhenruder ermöglichen exaktes Fliegen auch beim Kreisen im Aufwind, beim Beschleunigen aus dem Langsamflug und bei Korrekturen vor der Landung.
Neben der einfachen Zwei-Klappen-Steuerung des Nurflügels ist alternativ ohne Aufpreis eine zweite Variante mit zusätzlichen Wölb- Landeklappen erhältlich, die eine weitere Möglichkeit zur Gleitwinkelbeeinflussung bieten. Die Zweiklappen-Version läßt sich wegen der Gutmütigkeit des Modells im überzogenen Flugzustand landen.

Der Nurflügel kann alternativ auch mit einem Rumpf ausgestattet werden. Dieser wird unter den Mittelflügel geschraubt und ist außer zum Segeln auch für die Verwendung mit Elektroantrieben konzipiert. Er bietet genügend Platz auch für Motoren mit größerem Durchmesser.

Der strukturelle Aufbau des Modells ist entsprechend den auftretenden Belastungen ausgelegt:
Hartschaumkerne mit Furnierbeplankung (Abachi) und Glasgewebeverstärkungen an den belasteten Stellen. Die Flächenhälften werden über einen runden 10mm - Federstahl und einen kleinen Verdrehstift verbunden. Die Nasenleiste aus Hartholz ist bereits fertig angeklebt und profilgetreu verschliffen. Wurzelrippen und Randabschlüsse sind fertig. Die Ruder sind mit V-Ausschnitt ausgefräst und müssen noch verkastet werden. Verkastungsmaterial liegt bei; auf Wunsch werden die Ruder und Tragflächenausschnitte auch fertig verkastet. Der Servoeinbau erfolgt direkt bei den Rudern, Anlenkung über Schubstangen. Trimmblei, Empfänger und Empfänger-Akku werden neben den Wurzelrippen eingebaut. Die Wölb-Landeklappen-Anlenkung wird mit jeweils einer Sperrholzschiene geschützt, wenn der Rumpf nicht untergeschraubt wird.
Bei Verwendung des Rumpfes kann dieser die gesamte Ausrüstung aufnehmen. Es lassen sich für Elektroflug doppellagige Akkus einschieben. Der Motor-Bereich ist kreisrund mit abnehmendem Durchmesser ausgelegt, so dass unterschiedliche Konzepte (Direkt- oder Getriebeantriebe, Innen- oder Außenläufer) einsetzbar sind. Antriebsauslegung ab 280 Watt.


Der Rumpf mit dem spindelförmigen Ende kann zum reinen Seglen untergeschraubt werden oder auch für Elektroflug mit Motoren in Druckanordnung (Luftschrauben-Durchmesser bis 17 Zoll).
Der Rumpf verschwindet völlig unter dem Flügel, nur das Heck ist von oben sichtbar, so dass er sich ideal in das Flufzeugdesign integriert. Die Verschraubung erfolgt wahlweise von unten am Flügel oder von oben mit Nylonschrauben,
die durch integrierte Hartholzfüllstücke geführt werden.
Alternativ ist ein zweiter Rumpf für Zugantrieb erhältlich.
Er erlaubt Luftschraubendurchmesser bis 20 Zoll.
Entsprechend der jeweiligen Schwerpunktsituation kann er hinten noch gekürzt
und mit einem passenden Spinner verschlossen werden. Die Verschraubung erfolgt hier von oben.
Die Farben der Rümpfe können gewählt werden (blau, gelb rot).

 

Technische Daten SIRION
Spannweite mm: 3000
Profil Wurzel: Horten2 12%
Profil am Übergang: Horten2 10%
Profil außen Horten Tropfen
Flügelfläche qdm: 76,5
Fluggewicht Segler ab ca. 1750 g (2 Servos, o.Rumpf)
Fluggewicht Elektro ab ca. 2080 g
Leergewicht roh ca. 1010 g


NUR FLÜGEL? Was denn sonst!
Der Sirion von SMG

Ich stehe an der Hangkante und zögere. Andere Modelle sind zwar in der Luft, aber . . . . Viel ist es gerade nicht, was mir da als Abendwind entgegenkommt.
Schließlich lasse ich das Modell wieder sinken. Gleich zwei Fotografen hatten den Finger geduldig auf dem Auslöseknopf gehabt. - Nein, heute wohl besser nicht mehr. Ich kenne den Sirion noch nicht und die Erfahrungen mit den letzten Modellen . . . Man sollte einpacken. Auch dazu gehört Mut: Grenzen zu erkennen und dazu zu stehen.

Außerdem - es ist ein Nurflügel...!
Vorurteile? Ich liebe Nurflügel, habe schon beste Erfahrungen mit dieser Modellauslegung sammeln können und bin neugierig, wie sich dieser hier machen wird: Der Sirion von Gerten. 3m Spannweite. Ein zugespitzter Horten-profilierter Styro-Abachi-Pfeilflügel mit Winglets, sauber verarbeitet, bespannt mit der neuen Magic-Folie von Oracover, deren Farben von violett über braun bis gold changieren - je nach Lichteinfall. Bildschön! Viel zu schade, um ihn durch eine Dummheit beim Erstflug aufs Spiel zu setzen.
"Fliegst Ddu noch?" Nur keine Hektik! Aber regt sich da nicht ein Lüftchen? Ich hebe den Vogel wieder in Abwurfposition. Kameras und zahglreiche Augenpaare richten sich erneut auf den Sirion. Ein letzter Blick zu den anderen Modellen. "Ich starte!" Ein kurzer Anlauf, ein leichter Schwung: Er ist frei, steigt und zieht geruhsam seine Bahn, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Spektakulär unspektakulär. Während andere Flieger sich teilweise regelrecht abmühen, steigt der Sirion weiter; absolut souverän gleitet er dahin, als sei es das selbstverständlichste der Welt.
Vorurteile gegen Nuris? Hier können sie abgebaut werden.

Ich hole den Sirion tiefer, damit die Fotografen ihn besser vors Objektiv bekommen. Im Vorbeifliegen bemerke ich das leichte Wippen um die Querachse - nurflügeltypisch, aber nur sehr gering ausgebildet. Außer mir fällt es niemandem auf, wie sich später herausstellt. Gut so. Der Sirion folgt kreuzbrav allen Anweisungen und nimmt leiseste Aufwinde sofort an. Die heißen Turbolatortipps, von Experten im Vorfeld erteilt, erweisen sich als Gespenster. Ein Strömungsabriss ist kaum zu provozieren: Mit gefühlvoll gezogenem Höhenruder geht es zunächst einaml stetig weiter aufwärts, bis sich schließlich bei sehr geringer Fahrt der bekannte Sackflug einstellt. Das alles hinterlässt einen so guten Eindruck, dass ich den Sirion gleich auch noch durch die Rolle schicke und auf dem Rücken fliege. Fahrt nimmt er eher gemütlich auf. Hier macht sich die geringe Flächenbelastung von 27 g bemerkbar. Doch bereitwillig geht das Modell durch diese Figuren. Vor allem auf dem Rücken scheint es sich wohlzufühlen. Für einen perfekten Erstflug muss nun eigentlich nur noch die Landung klappen, dann kennt die Zufriedenheit keine Grenzen . . . Viel zu hoch angesetzt! Mit voller Verwölbung wird der Vogel zwar etwas langsamer, aber er steigt! Von Landen keine Spur. Ich fliege durch, um es im zweiten Anlauf besser zu machen. Diesmal gelingt allses, aber ich nehme mir vor, diesen Teil des Fluges nachhaltig zu optimieren. Voller Begeisterung hebe ich den Sirion auf. Warum hatte ich eigentlich gezögert? Natürlich, reine Vorsicht, wir kannten uns ja noch nicht.

Zwei Flügel braucht der Mensch
Zusammenstecken, Strom einschalten, losfliegen: typisch Nurflügel! So habe ich's am liebsten. Während andere noch noch aufbauen einfach schon in der Luft sein. Der Sirion ist prädestiniert dafür. Das Zusammenschieben der Flächen stellt den mechanischen und elektrischen Kontakt sicher. Fertig. Wer den Sirion rumpflos baut, hat es in jeder Hinsicht leicht. Auch die Bauphase ist kurz. Sie beschränkt sich im Wesentlichen auf das Verkasten der Querruder, den Einbau der Anlage, und das Bespannen. Alle diese Arbeitsgänge sind praxisgerecht in der Bauanleitung dargestellt. Mit Hilfe des sauber vorgefertigten Materials, zu dem bis auf wenige Kleinteile wie Hochstarthaken, Kabel und Stecker alles Erforderliche gehört (sogar Baumwollflocken zum Andicken des Harzes), lässt sich der Sirion problemlos fertigstellen.

Wer allerdings den optional erhältlichen Rumpf zu schätzen weiß - er verschafft Bodenfreiheit für die Flächen, ist gut zu greifen und nimmt Akku, Empfänger sowie gegebenenfalls auch noch den Antrieb mühelos auf - und wer die bruchgefährdeten Winglets zum Transport lieber abschrauben möchte, wird von der Bauanleitung weitgehen im Stich gelassen.(Wurde inzwischen etwas weitergend beschrieben, der Hersteller) So will ich an dieser Stelle wenigstens meine Erfahrungen in knapper Form weitergeben. Um Fummelarbeiten auf dem Feld zu entgehen, sollte mein Hauptstecker fest eingebaut sein. Er sitzt in der rechten Flächenhälfte, ca. 2 cm von der Wurzelrippe entfernt, während sein Pendant am Rumpfrand festgeharzt ist. Die Empfängerantenne habe ich der Einfachheit halber aus dem Rumpfende herausgeführt. Der herstellerseitig in der rechte Flächenhälfte verlegte Antennenkanal stellt natürlich für einen dort installierten Empfänger die ideale Lösung dar. Der schlichte, weitgehend passgenaue GfK-Rumpf ist über mehrere Schrauben mit dem Flügel zu verbinden. Hier wären einfachere Lösungen denkbar; denn dieSchrauben sind durch hässliche Arbeitslöcher höchst umständlich an ihren Platz zu bringen. Eine endlose Prokelei! Hier gibt's nur eins: Führungsröhrchen (Alu) einharzen, die Schraube mit Wachs am Dreher befestigen und bei jeder Demontage darauf achten, dass die Schrauben im Rumpfgewinde verbleiben. Dann geht's leicht. (Wird ähnlich auch in der Anleitung beschrieben, ausserdem ist mittlerweile auch die Verschraubung von oben konstruktiv vorbereitet, der Hersteller).

Und die Winglets? Wer eine flexible Lösung sucht, steht vor einem echten Problem. Blechschrauben empfiehlt der Hersteller - die Endrippe ist aber nur 10 mm dick; bei 3mm - Schrauben bleibt ein Rand von ca. 3 mm in den Balsawinglets! (?? 10mm Dicke sollten genügen um Gewinde für Kunststoffschrauben 4 mm oder Blechschrauben aufzunehmen, der Hersteller). Hartholzeinlagen führen hier zu einer tragfähigen Lösung. Der "Schnabel" an der Wingletnase muss mit einem Klebestreifen verschlossen werden, da er sich sonst ständig im Gras festbeißen würde.
Wer sich für Wölbklappen entscheidet - und das macht Sinn -, kann diese auch noch nachträglich problemlos einrichten. Die Bauanleitung gibt wichtige Hinweise und das beiliegende Verkastungsmaterial reicht allemal. Die Klappen haben sich in der Praxis gut bewährt. Sie dienen vornehmlich als Landehilfe.Und die kann man beim Sirion gut gebrauchen!

Hochstart - die nächste Überraschung
Um es gleich vorwegzunehmen: Dem beim Nurflügel berüchtigten "Propeller" hat SMG keine Chance gegeben. Alle Vorsicht und Sicherheitsreserve, die ich für den ersten Hochstart einbaute, erwies sich als überflüssig. Nicht einmal bei Windstille wird der Sirion Schwierigkeiten am Seil bereiten; denn selbst die hinterste Hakenposition verhilft dem Modell ausschließlich zu einem Katapulthochstart - durchaus spektakulär mit einem 3-m-Segler, aber vollkommen harmlos und gut zu beherrschen. Man packt den Rumpf am Stummelschwänzchen und ab geht die Post. Ein Selbstgänger. Große Höhen sind auf diesem Wege freilich nicht zu erziehlen, aber mit dem MPX-Alpina-Gummi bilden 70 m Überhöhung doch keine so schlechte Ausgangsbasis für die Thermiksuche. Hier kann der Sirion dann wieder seine Stärken ausspielen. Im Landanflug staunte ich jedes Mal von neuem, wie lange das Spiel mit dem Höhenruder den Sirion kurz vor dem Aufsetzen noch einmal zu einer weiteren Verlängerung seines gestreckten Gleitfluges überredete. Genial! Begeisternd. Allein, an Ziellandungen war so immer noch nicht zu denken - bis ich den abgesenkten Wölbklappen schließlich ein wenig Tiefenruder (3 mm) beimischte. Das half!

Nur Flügel bitte!
Mit dem Sirion bietet SMG einen höchst ausgewogenen 3-m-Nurflügel an: Sauber verarbeitet, einfach zu fliegen, erfreulich leistungsorientiert bei Allrounderqualitäten. Damit bei soviel Gutmütigkeit keine Langeweile eintritt, ist für genügend Spaßfaktor gesorgt. Dass es den Sirion außerdem in mancherlei Varianten gibt, erweitert das Einsatzspektrum noch einmal erheblich. Ab März 2005 ist für den Sirion ein zweiter Rumpf erhältlich, der dann auch eine Mororisierung in Zuganordnung ermöglicht. Allerdings wünscht man sich für die unterschiedlichen Auslegungen ebenso praxisgerechte Bauvorschläge wie für die Grundversion. Auf jeden Fall bringt der Sirion willkommene Abwechslung an den Modellfliegerhimmel. Zum Fliegen braucht man nur Flügel. Gerten weiß das schon lange. Seine jüngste Antwort: der Sirion.

Soweit der Tester Frank Witt in der FMT 3/2005

 

zum nächsten Modell