KARO

Segler - Elektrosegler

Karo ist ein neuer Großsegler für Thermik- und Hangflug.
Aufbauend auf dem Kranich von SMG wurde eine neue Rumpfform entwickelt, die sowohl zum Ausbau als reiner Segler, wie auch für Elektroflug bei schlanken Abmessungen genügen Einbauvolumen zur Verfügung stellt. Das gedämpfte V-Leitwerk wird auf fertig eingeharzte Stähle geschoben, die mittig geteilte Tragfläche wird mit M6-Nylonschrauben befestigt.
Die Auslegung der Tragflächen mit dem relativ dünnen MH32-Profil und Sichelrandbögen bietet eine dynamische Alternative zum Thermiksegler Kranich. Der Aufbau mit speziellen Holmgurten und Stegen ist den auftretenden Belastungen angepasst, um dem Einsatz als Allroundsegler gerecht zu werden. Lieferbar sind drei Varianten: Reine Querruderfläche, Vierklappensystem und Querruder plus Endleistendrehbremsklappen.
Die Gewichts- und Widerstandsbilanz erlaubt die Verwendung von sehr kleinen und leichten Hochleistungsantrieben mit oder ohne Getriebe. Antriebe (ab drei Lipos 3100) mit oder ohne Getriebe.
Antriebsauslegung ab 330 Watt.

Die Tragflächen bestehen aus furnierbeplanktem Hartschaum, durch Holmauslegung und Glasgewebeverstärkungen entsprechend den Belastungen ausgelegt. Sämtliche Steckverbindungen, die Wurzelrippen, Randbögen und Kabelkanäle sind fertig eingebaut. Die Nasenleisten sind in GfK fertig im Preis enthalten. Auf Wunsch komplett fertiggestellt werden die Verkastungen der Querruder, Wölbklappen und wahlweise die Endleisten-Drehbremsklappen.

Die Leitwerkshälften bestehen ebenfalls aus beplankten Styroporkernen mit fertig eingebauten Aufnahmeröhrchen und ausgefrästen Ruderklappen. Kleinteile sowie eine ausführliche Anleitung liegen bei.  

Wahlweise ist das Modell auch mit T-Leitwerk (IBIS-Rumpf) erhältlich.


Technische Daten Karo
Spannweite mm 3800
Länge mm 1480
Profil MH 32
Flügelfläche qdm 73,5
Leergewicht roh 1820 g
Fluggewicht Elektro (LIPO) ab ca 2600 g
Fluggewicht Segler ca 2300 g

Testbericht Karo
von Heinrich Sonneck in der PROP 3/2015, Abteilung “PROP Magazin”

www.prop.at

TEST KARO VON SMG
Autor Heinrich Sonneck, Fotos Roman Schaider

Der Großsegler KARO sollte also mein Neuer werden, der dynamische Bruder des KRANICH den ich leider vergangenen Herbst „geerdet“ hatte. Auftrieb ist eben durch nichts zu ersetzen.

Beide kommen aus der Werkstatt der Firma SMG, Segelflugmodelle Gerten Für mich kein unbekannter Hersteller, hatte ich doch mit den Nurflügeln TABU, TABU XL und dem Thermiksegler KRANICH schon gute Erfahrungen machen können. Ein Video von meinem TABU habe ich übrigens auf rcmovie geparkt.
Was ich bauen wollte, war ein „All in One“, viele Variationen des Segelflugs in einem Modell vereint.

Die Tragflächen
An den sauber gefertigten Doppeltrapez-Tragflächen mit Sichelrandbögen gibt es fast nichts mehr zu tun. Sie bestehen aus furnierbeplanktem Hartschaum und werden fertig verschliffen geliefert. Die Nasenleisten sind bereits profiliert aus GFK gefertigt. Hervorragend auch der Gewichtsunterschied der Tragflächen von lediglich 8 Gramm. Steckungen und Kabelschächte sind auch schon eingearbeitet. Ebenso die beiden versenkten Bohrungen zur Befestigung der Tragflächen am Rumpf. Die Flächenverbindung erfolgt mit einer 10 mm Stahlstange, welche spielfrei in die Aufnahme passt. Gegen einen geringen Aufpreis können außerdem fertig verkastete und verschliffene Querruder und Wölbklappen geordert werden.
Die Tragflächen sind dann ebenfalls fertig verkastet. Bei der Ausführung der Wölbklappen hat man die Qual der Wahl: Will man die Wölbklappen auf der Flächenober- oder Unterseite anscharnieren, oder will man sie als Endleisten-Drehbremsklappen ausführen? Dies ist bei der Bestellung anzugeben und wird dementsprechend gefertigt. Ich habe mich für die Scharnierung auf der Flächenunterseite entschieden und kann dadurch bei 80° Schwenkwinkel die Wölbklappen auch als Bremsklappen nutzen.
Die Servos sind in MPX-Servorrahmen untergebracht. Als Gratisservice bietet SMG ein Ausfräsen der Schächte für die Servorahmen an. Die Anlenkung der Ruder erfolgt mittels Kugelgelenk und CFK-Gestänge. Jeder Flügel bekam logischerweise einen Kabelbaum mit Hochstromstecker. Die zugehörenden Buchsen wurden hinter dem Ein-Ausschalter im Rumpf montiert. Solch saubere Holzarbeit wollte ich nicht unter einer Bügelfolie verstecken. Darum wurde die Oberfläche zweimal mit Porenfüller gestrichen und feingeschliffen.
Anschließend wurde ein Polyesterbespannvlies mit 24g/m² aufgelegt und durch zweimaligen Anstrich mit farblosem Wasser-Parkettlack auf der Fläche fixiert. Dadurch erhält man eine harte und superglatte Oberfläche. Die Querruder und Wölbklappen wurden mit dem Vlies mitanscharniert, was mir spaltfreie Ruder bescherte. Das Vlies erhält man bei der Firma Kirchert als weiße Rollenware in einer Breite von 1000 mm und ist wunderbar zu verarbeiten. Es darf aber nicht geschliffen werden, da es sonst zu fasern beginnt. Etwaige abstehende Fasern können mit dem Bügeleisen weggeschmolzen werden. Eine Gebrauchsanleitung für das Vlies ist beim Händler erhältlich. Abschließend wurde der Querruderspalt auf der Unterseite mit dem Graupner Spalt-Abdeckband überbrückt, was die Flugleistungen zusätzlich verbessert.

Das Leitwerk
Die fertig verschliffen Leitwerkshälften bestehen aus furnierbeplankten Styroporkernen, fertig eingebauten Aufnahmeröhrchen, ausgefrästen Ruderklappen und fertig profilierten GFK-Nasenleisten.Eingebaute Aufnahmeröhrchen sind bei einem V-Leitwerk ein wesentlicher Vorteil, gilt es doch für ein gutes Flugverhalten, die Positionierung und die Anstellwinkel der Leitwerke genau einzuhalten und umzusetzen. Die Ruderklappen müssen von den Leitwerken abgetrennt und mit beiliegenden Furnierstreifchen verkastet werden. Ebenso die Leitwerke und deren Randbögen.Die Befestigung des Leitwerks am Rumpf erfolgt durch eine Stahldrahtsteckung, welche bereits im Rumpf eingeharzt ist. Das Leitwerk kann für den Transport abgezogen werden.
Es besteht auch die Möglichkeit, das Leitwerk in offener Balsa-Stegbauweise zu fertigen und dadurch ca. 150 g zu sparen. Diese Bauweise ist bei leichten Elektroantrieben anzuraten und spart zusätzlichen Frontballast. Der dazugehörige Bauplan liegt dem Baukasten bei.
Die Oberflächenbehandlung erfolgte mit dem Polyesterbespannflies, wobei die Ruder mit dem Vlies anscharniert wurden. Werden die Leitwerke in offener Balsa-Stegbauweise gebaut, können diese ebenso mit dem Polyesterbespannvlies bespannt werden.

Der Rumpf
Der Epoxyrumpf mit sauberer Trennnaht ist weiss eingefärbt. Andere Farben sind auf Anfrage möglich. Die Rumpfspitze wurde für meinen 30 mm Spinner gratis abgetrennt, wobei der Winkel für Motorzug und -sturz berücksichtigt wurde. Die abgetrennte Rumpfspitze wird beigelegt, sie soll ja in der Seglerversion noch Verwendung finden.Die Stahldrähte für die Leitwerksaufnahme sind bereits eingeharzt, die Bohrungen zur Aufnahme der Leitwerks-Verdrehstifte sind ebenso vorhanden.Zur Befestigung der Tragflächen am Rumpf wird das beiliegende Sperrholzbrettchen eingeharzt, die beiden Befestigungslöcher der Flächen werden darauf übertragen und angebohrt. Zwei Nylonschrauben M6 übernehmen die Fixierung der Fläche am Rumpf. Mit der vom Hersteller vorgeschlagenen Verdrehsicherung der Fläche am Rumpf konnte ich mich nicht anfreunden. Ich habe daher Fläche und Rumpf mit einem 10 mm Bohrer gemeinsam abgebohrt und ein entsprechendes Rundholz eingeharzt. Dieses übernimmt jetzt die Aufgabe einer zentralen Verdrehsicherung.

Anschließend kann die CFK-Kabinenhaube auf Rumpf und Fläche angepasst werden. Das dafür nötige Befestigungsmaterial liegt bei.

Die V-Leitwerks-Anlenkung erfolgte mittels Bowdenzug. Diese leitete ich von der Rumpfoberseite in den Rumpf ein, dadurch kann das Ansteuern der Höhenruderbewegung mittels Zugbewegung durch Bowdenzüge erfolgen. Für die verdeckte Anlenkung im Rumpf und die daraus resultierende Höhenruder-Stoßbewegung würde ich CFK-Stangen empfehlen. Beide Leitwerkservos montierte ich aus Platzgründen im Bereich des hinteren Rumpfausschnitts. Nach dem Einharzen der Motorplatte und der Montage meines Plettenberg-Getriebemotors ortete ich massive Platzprobleme. Auch das erstmalige Auswiegen auf der Schwerpunktwaage zeigte an, dass ich jede Menge Gewicht im Rumpfvorderteil benötigen würde.
Also legte ich die noch einzubauenden Teile auf die Werkbank: LiPo-Akku für Motor, Empfängerakku, Servo für Seilauslösung bei F-Schlepp, Motorregler, Schalter mit Ladebuchse, Kontroll-LED und 6V Spannungsbegrenzer. Alle diese Komponeneten sollten so weit wie möglich vorne eingebaut werden.
Die Lösung in diesem Fall hieß „Etagenbau“.Untere Etage: Empfängerakku, Servo für Seilauslösung, Spannungsbegrenzer. Mittlere Etage: Motorakku, MotorreglerObere Etage: Schalter mit Lade-buchse und Kontroll-LEDDer Empfänger wurde hinter der Ladebuchse montiert. Nach dem Verkabeln verursachte mir der Kontrollgang zur Schwerpunktwaage mehr Zittern und Bangen, als der bevorstehende Erstflug. Denn: Sollte Ballast nötig sein, ich hätte kaum noch Platz dafür. Lange Rede, kurzer Sinn: Der angestrebte Schwer-punkt paßte auf Anhieb. Die Waage pendelte sich im Bereich von 105 mm ein.

Das Finish
Ein bißchen Design muss sein. Der Rumpf wurde lackiert und für die Flächen und Leitwerke gestaltete ich mir am PC ein paar Wasserschiebebilder für die Randbögen und den Schriftzug für die Flächen. Die Wasserschiebefolien besorgte ich mir im Internet bei der Firma Druckonkel und bedruckte sie mit dem Laserdrucker.

Erstflüge der Versionen
Eine detaillierte Bauanleitung mit den Einstelldaten liegt dem Bausatz bei. Nach diesen vorgeschlagenen Werten stellte ich die Ruderausschläge und deren Exponentialfunktion vor dem Erstflug ein. Der Start erfolgte aus der Hand und in Schrittgeschwindigkeit. Das Modell stieg in einem geschätzten 20° Winkel stabil weg.

Elektroseglerversion
Der Erstflug als Elektroseglerversion endete mit mehr Frust als Lust. Nach einem problemlosen Start auf Höhe angekommen schaltete ich den Motor ab. Ich hatte jedoch vergessen, die Motorbremse zu aktivieren und so drehte die Klappluftschraube munter weiter. Ein sauberes Gleiten war natürlich unmöglich, da der drehende Propeller als Bremse wirkte. Das Modell war jedoch trotzdem gut zu steuern und am Platz zu landen. Lediglich die rotierende Luftschraube brach beim Bodenkontakt ab. Bei den nächsten Flügen wurde der Schwerpunkt erflogen und bei 107 mm fixiert, ich habe seither nichts mehr verändert. Für Thermikflüge wird die komplette Fläche gewölbt, wobei die Querruder 2 mm und die Wölbklappe 4 mm abgesenkt werden. Zum sicheren Abstieg aus großer Höhe verwende ich die Butterflyfunktion mit Zumischung des Tiefenruders. Werden die auf 80° ausgeschlagenen Bremsklappen zusätzlich gesetzt, wird die Vorwärtsgeschwindigkeit nochmals verringert und in ein kontrollierbares fahrstuhlartiges Sinken umgewandelt.

Seglerversion für F-Schlepp und Hang
Zum F-Schleppen wurde die Klappluftschraube entfernt und durch die abgeschnittene Rumpfspitze ergänzt. In diese wurde zuvor eine Holzscheibe mit Bohrung eingeharzt, welche auf die Motorwelle aufgesteckt wird. Das Gewicht der Rumpfspitze muss natürlich identisch mit dem Gewicht der Klappluftschraube sein, ansonsten stimmt der Schwerpunkt nicht.
Der KARO wurde mittels F-Schlepp durch meine Airworld-Wilga auf Höhe gebracht. Brav folgte der KARO der Schleppmaschine und zeigte das gleiche angenehme Flugverhalten wie als Elektroversion. Man merkt sofort, dass der KARO seine Leistung nur dann bringt, wenn man ihn laufen läßt und ihn nicht in den Himmel „hineinhungert“. Bärte können zentriert ausgekurbelt und Abwindfelder schnell durchflogen werden. Einfacher Kunstflug wie Looping und Rollen in großer Höhe ist möglich, Rückenflug quittiert das Modell mit steiler Abwärtstendenz. Der provozierte Strömungsabriss in Sicherheitshöhe meldete sich durch schwammiges Steuerungsvehalten an.
Am Hang habe ich das Modell ebenfalls probiert. Obwohl ich mit dem Flugverhalten zufrieden war, werde ich mir für weitere Flüge eine größere Landewiese als die unsere suchen. Hochstarttauglich? Natürlich besteht die Möglichkeit, einen Hochstarthaken zu montieren. Die Position dazu wird in der Bauanleitung beschrieben. Dem MH-32 Profil sagt man einen hohen Druckaufbau schon bei geringer Geschwindigkeit und ein schnelles Steigen nach. Hochstart sollte also möglich sein. Ich habe es mangels geeignetem Gummiseil oder Winde nie ausprobiert.

Resümee
SMG hält mit dem KARO, was er verspricht. Nicht mehr und nicht weniger. KARO ist bei stimmigem Preis-Leistungsverhältnis ein gutmütiger und trotzdem agil fliegender Großsegler. Bestimmt für Seglerpiloten, welche Freude am aktiven Modellbau haben und selbst Hand an ihren Neuerwerb legen wollen. In der Elektroversion oder als reiner Segler, am Schleppseil oder am Hang. Für mich ein echter Allrounder, ein „All in one“.

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